Das Suchtproblem in Deutschland (Bild: Silhouette eines Mannes, der auf einen See blickt)

Das Suchtproblem in Deutschland

Suchtmittelmissbrauch verursacht enorme Schäden, auf der einen Seite für die einzelnen Abhängigen in ihren sozialen Systemen, auf der anderen Seite für die Gesellschaft und die involvierten Sozialleistungsträger.

In Deutschland leben:

  • Rund 17 Millionen Raucher/-innen, das entspricht 26 Prozent der Gesamtbevölkerung. Ein Drittel der Männer und ein Viertel der Frauen rauchen.
  • 9,5 Millionen Menschen, die Alkohol riskant konsumieren, 1,3 Millionen Menschen sind alkoholabhängig. Das Einstiegsalter für regelmäßigen Alkoholkonsum ist seit 1970 von 15 auf 12 Jahre gesunken.
  • 3 Millionen Rauschgiftkonsumenten, davon konsumieren 2,4 Millionen Cannabis. Im Jahr 2009 verstarben 1.331 Menschen infolge ihres Rauschgiftkonsums, das sind 120 weniger als im Vorjahr. Die meisten Drogentodesfälle sind auf eine Überdosis von Heroin, oft in Kombination mit Alkohol oder Schlaf- und Beruhigungsmitteln, zurückzuführen.
  • 1,4 bis 1,9 Millionen Medikamentenabhängige, davon sind zwei Drittel Frauen.
  • 180.000 bis 300.000 beratungs- und behandlungsbedürftige Spieler/-innen.

 

Sucht betrifft die ganze Familie und das gesamte soziale Umfeld:

  • 5 bis 7 Millionen Angehörige sind von der Alkoholabhängigkeit eines Familienmitglieds betroffen.
  • 2 bis 3 Millionen Kinder leben in suchtbelasteten Familien, 50 bis 70 Prozent der Kinder suchtkranker Eltern werden selbst abhängig.
  • Im Jahr 2009 standen bei Verkehrsunfällen rund 17.400 Beteiligte unter Alkoholeinfluss. Dabei wurden 22.175 Menschen verletzt, 440 von ihnen starben - das sind 10,5 Prozent aller getöteten Verkehrsteilnehmer.
  • Drei von zehn Gewaltdelikten werden unter Alkoholeinfluss verübt. 2009 wurden insgesamt 208.440 Gewalttaten wie Raub, Körperverletzung, Vergewaltigung, Totschlag und Mord registriert, 1,2 Prozent weniger als im Vorjahr.
  • Ungefähr 25 bis 30 Prozent aller Arbeitsunfälle sind alkoholbedingt. Im betrieblichen Bereich rechnet man mit 5 bis 10 Prozent alkoholabhängigen Mitarbeitern.
  • Mindestens 5,5 Prozent aller Krankenhausbehandlungen sind auf den Konsum von Alkohol allein oder auf den gemeinsamen Konsum von Alkohol und Tabak zurückzuführen.
  • Jährlich gibt es rund 74.000 Todesfälle durch Alkoholkonsum allein oder durch den Konsum von Alkohol und Tabak. Das sind 21 Prozent aller Todesfälle in der Altersgruppe von 35 bis 64.
  • In Deutschland ist jährlich mit 110.000 bis 140.000 tabakbedingten Todesfällen zu rechnen. Das entspricht 22 Prozent aller Todesfälle bei Männern und 5 Prozent aller Todesfälle bei Frauen. Die Zahl der Todesfälle durch Passivrauchen wird auf jährlich 3.300 geschätzt.
  • Jährlich werden etwa 4.000 alkoholgeschädigte Kinder geboren. (Alkoholembryopathie)
  • Die volkswirtschaftlichen Kosten alhoholbezogener Krankheiten liegen pro Jahr bei über 26 Milliarden Euro.
  • 10,7 Prozent aller durch Behinderungen, Verletzungen oder Krankheiten verlorenen oder beeinträchtigten Lebensjahre werden durch Alkoholkonsum verursacht. Damit ist der Alkoholkonsum nach dem Tabakrauchen und Bluthochdruck der bedeutendste gesundheitliche Risikofaktor.
  • Die volkswirtschaftlichen Kosten durch tabakbedingte Krankheiten und Todesfälle belaufen sich auf über 17 Milliarden Euro.

 

Leistungen des Suchthilfesystems:

  • Es gibt 7.500 Selbsthilfegruppen im Suchtbereich, die jährlich von 120.000 Menschen besucht werden.
  • Es gibt rund 1.200 ambulante Beratungs- und Behandlungsstellen für Suchtkranke und ihre Angehörigen. 300.000 Personen nutzen dieses Angebot.
  • Für den qualifizierten Entzug von Suchtmitteln stehen 6.500 Plätze in 200 Einrichtungen zur Verfügung.
  • Es gibt rund 12.000 stationäre Plätze für die medizinische Rehabiliation von Alkohol- und Medikamentenabhängigen. Sie werden jährlich von 70.000 Menschen genutzt.
  • Es gibt rund 4.000 Therapieplätze für Abhängige illegaler Drogen.
  • In den stationären Suchthilfeeinrichtungen sind 76 Prozent der Patienten männlich. Die männlichen Alkoholpatienten sind im Schnitt 44 Jahre alt, der Altersdurchschnitt der Männer mit opiatbezogener Hauptdiagnose liegt bei 30 Jahren.
  • Bei Alkoholpatienten dauert die stationäre Behandlung im Schnitt 12,2 Wochen, bei Opiatpatienten 13,4 Wochen.
  • Bei planmäßiger Beendigung wurden im ambulanten Bereich 50 Prozent der Alkohol- und 25 Prozent der Opiatpatienten als erfolgreich eingestuft, im stationären Bereich waren es drei Viertel bzw. ein Drittel.
  • Es gibt 300 Angebote des Betreuten Wohnens mit ca. 7.500 Plätzen, 200 Wohnprojekte richten sich an chronisch mehrfachabhängige Menschen

Alle Zahlen stammen aus dem „Jahrbuch Sucht 2011“ der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS).