Fragen und Antworten
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Bin ich "co-abhängig"?
Nein! Der Begriff „Co-Abhängigkeit“ ist problematisch und wird oft unterschiedlich verstanden. In manchen Selbsthilfegruppen, Suchtberatungsstellen oder -Kliniken bedeutet er: Angehörige – also Partner*innen oder Eltern – verhalten sich so, dass sie das Suchtverhalten der nahestehenden Person ungewollt unterstützen, möglich machen oder sogar die Genesung behindern. Manchmal wird sogar behauptet, eine „co-abhängige“ Person habe ein geringes Selbstwertgefühl und versuche, dieses durch übermäßige Fürsorge oder Kontrolle auszugleichen. Als „richtige“ Reaktion gelte dann, sich möglichst früh abzugrenzen oder zu trennen, weil Unterstützungsversuche nur das Suchtgeschehen verlängern würden.
Ein solches Verständnis kann zu Schuldzuweisungen und Schuldgefühlen führen, die die Angehörigen zusätzlich schwächen. Darüber hinaus sind die Annahmen rund um das Thema „Co-Abhängigkeit“ wissenschaftlich widerlegt, denn klar ist, dass sehr gut informierte und unterstützende Angehörige sehr wohl zur Genesung des suchtkranken Menschen beitragen können. Deshalb ist der Begriff und die damit verbundene Zuschreibung nicht hilfreich.
Angehörige von suchtkranken Menschen stehen meist unter enormem Druck. Viele sind körperlich und seelisch stark belastet. Dauerstress kann krank machen und auch dazu führen, dass sich ungünstige Beziehungsmuster entwickeln. Deshalb kann eine Trennung richtig und wichtig sein, um sich selbst zu schützen. Doch pauschal zu sagen, Angehörige seien „co-abhängig“ und müssten sich unbedingt trennen, wird ihrer Lebensrealität nicht gerecht.
Angehörige gehen unterschiedlich mit der Suchtbelastung um. Sie haben verschiedene Bedürfnisse und brauchen individuelle Unterstützung. Für manche bedeutet das, gemeinsam durch die schwierige suchtbelastete Zeit zu gehen und sich gemeinsam Hilfe zu suchen. Für manche bedeutet das, sich zu distanzieren oder auch zu trennen.
Hilfsangebote – sowohl in der professionellen Suchthilfe als auch in der Selbsthilfe – sollten Angehörige mit ihren individuellen Bewältigungsstrategien, ihren Stärken und ihrem Engagement ernst nehmen und respektvoll begleiten und auf stigmatisierende Zuschreibungen verzichten.
Zuletzt aktualisiert am 3. September 2026 von Gunhild Ahmann.