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Auf den Spuren der Heiligen Hildegard

Vierte Wanderexerzitien des Kreuzbund-Bundesverbandes

Fünf Männer und vier Frauen aus ganz Deutschland haben sich am 1. Oktober 2021 in Idar-Oberstein getroffen, um gemeinsam den Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg zu gehen. Sie wurden begleitet von Thorsten Weßling, Geistlicher Beirat des Bundesverbandes, der für spirituelle Impulse verantwortlich war, und von mir als Organisatorin der vierten Wanderexerzitien des Bundesverbandes. Diese waren eigentlich schon für Ende Mai geplant, mussten aber wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Nur drei Teilnehmer*innen haben zum ersten Mal mitgemacht, alle anderen waren schon in den vergangenen Jahren dabei und freuten sich auf ein Wiedersehen.    

Hildegard von Bingen (1098-1179), die wohl berühmteste Universalgelehrte des Mittelalters, wurde schon zu ihren Lebzeiten durch ihre Visionen berühmt. Die Ordensfrau, Theologin, Dichterin, Natur- und Heilkundlerin wurde 2012 von Papst Benedikt XVI. zur Kirchenlehrerin erhoben, eine Auszeichnung, die bislang weltweit nur 40 Gelehrte erhielten. Im Gedenken an Hildegard wurde 2017 der Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg entlang des Nahetals eingerichtet. Er folgt den wesentlichen Stationen ihres Lebens und nutzt dabei bestehende Wege, wie z.B. den Saar-Hunsrück-Steig und den Rheinburgenweg.

Die rund 140 Kilometer lange Strecke verteilte sich auf sieben Tagesetappen und begann in der Edelsteinstadt Idar-Oberstein. Sie führte durch die hügelige Landschaft des Hunsrück über Niederhosenbach, den möglichen Geburtsort Hildegards von Bingen, bis zur beeindruckenden Klosterruine Disibodenberg. Im Jahr 1112 trat Hildegard als sogenannte Inkluse in das Männerkloster auf dem Disibodenberg ein, zusammen mit ihrer Lehrerin Jutta von Sponheim. Als Jutta 1136 starb, wurde Hildegard die zweite Magistra in der Frauenklause.

In Kirchen, Kapellen oder an schönen Aussichtspunkten auf dem Weg erklärte uns Thorsten Weßling die Lehren und das Wirken der Heiligen Hildegard, die sehr gut in unsere heutige Zeit passen, z.B. in Bezug auf Achtsamkeit, Ganzheitlichkeit von Körper und Geist, Ernährung und Bewegung.

Der Pilgerwanderweg endete schließlich in Bingen am Rhein. Hier gründete Hildegard ca. 1150 ein eigenes Frauenkloster auf dem Rupertsberg. Außerdem reiste Hildegard entlang Rhein, Mosel, Main und Neckar und predigte auf öffentlichen Plätzen. Unsere Gruppe kam am 8. Oktober 2021 am Zielort Bingen an. Am nächsten Tag fuhren wir mit der Fähre auf die andere Rheinseite und feierten zum Abschluss einen gemeinsamen Gottesdienst in der Wallfahrtskirche St. Hildegard in Rüdesheim. Dort steht der kostbare Hildegard-Schrein mit Reliquien der Heiligen.

Wegen fehlender Übernachtungsmöglichkeiten in den kleineren Etappenorten war es erstmalig so geregelt, dass die Gruppe nicht jeden Tag an einem anderen Standort  übernachtete. So blieben wir z.B. die ersten zwei Nächte in Idar-Oberstein. Auch von Dienstag, 5. Oktober bis einschließlich Donnerstag, 7. Oktober übernachteten wir in demselben Hotel, und zwar in Waldböckelheim bei den Brüdern Hehner-Kiltz, ein sehr guter Tipp der Naheland-Touristik GmbH. Die Brüder sorgten für den Transfer zu den jeweiligen Ausgangs- und Endpunkten unserer Etappen und blieben keine Antwort schuldig zu allen möglichen historischen Fragen der Region. Auch sorgten sie vortrefflich für unser leibliches Wohl.

Ein weiterer großer Vorteil dieser „Mehrfach-Übernachtungen“: Wir mussten nicht täglich unser gesamtes Gepäck mitnehmen, sondern nur einen Tagesrucksack – eine große Erleichterung angesichts einiger Höhenmeter auf der Strecke!

Das Wetter spielte auch mit, wir mussten nur an einem Tag zwischendurch das Regenzeug anziehen. Trotzdem werden wir beim nächsten Mal wieder im Frühsommer starten – dann können wir uns auf leichte Kleidung beschränken, und der Rucksack wird wieder etwas leichter!

Gunhild Ahmann, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit

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