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Bundeskonferenz tagt digital

Kreative Kommunikationsformen in der Corona-Krise

Die rund 30 Teilnehmenden der Bundeskonferenz haben sich am Samstag, 21. November 2020 nicht wie ursprünglich geplant in Trier, sondern per Videokonferenz getroffen. Denn wie Thorsten Weßling, Geistlicher Beirat des Bundesverbandes, in seinem Impuls sagte, brauchen wir noch etwas Geduld, bis wir wieder zu den gewohnten Kreuzbund-Veranstaltungen zurückkehren können.

Die Auswirkungen der Corona-Krise

Unter diesen Umständen war es naheliegend, über die Corona-Krise und ihre Auswirkungen auf den Kreuzbund zu diskutieren. Bundesgeschäftsführer Heinz-Josef Janßen erläuterte, dass das gemeinsame Papier der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) und der fünf Sucht-Selbsthilfeverbände zur Systemrelevanz der Sucht-Selbsthilfe von der Bundesdrogenbeauftragten Daniela Ludwig (CSU) und von den Sozialministerien der Bundesländer positiv aufgenommen wurde. Die ausdrückliche Erwähnung der Sucht-Selbsthilfe hat ein Umdenken ausgelöst und dazu beigetragen, dass in einigen Bundesländern die Gruppentreffen weiterhin stattfinden können. Besonders in Hessen und Rheinland-Pfalz gab es dafür Unterstützung aus den Sozialministerien. Außerdem hat das sächsische Sozialministerium die „Empfehlungen des Kreuzbundes für Gruppentreffen während der Corona-Pandemie“ als besonders professionell und verantwortungsvoll gelobt.

Viele Diözesanverbände haben allerdings die Erfahrung gemacht, dass die Systemrelevanz der Sucht-Selbsthilfe nicht überall durchsetzbar ist, auch wenn sie z.B. im Mai 2020 vom NRW-Sozialministerium schriftlich bestätigt wurde. Es gibt vor Ort Einschränkungen durch die Vermieter der Gruppenräume. Ob sich die Gruppen treffen können, ist abhängig vom jeweiligen Hausherrn. Auch wenn die Gruppen sehr ideenreich sind, z.B. in Bezug auf virtuelle Gruppentreffen, ist es unter diesen Umständen schwierig, die Gruppenbesucher*innen bei der Stange zu halten.

Im Hinblick auf geschlossene Gruppenräume empfiehlt Thorsten Weßling den Diözesanverbänden, sich an das Bischöfliche Generalvikariat bzw. Ordinariat zu wenden. Das Bistum Münster hat beispielsweise die Pfarrgemeinden gebeten, ihre Räume für die Sucht-Selbsthilfegruppen zu öffnen.

Da ist der Kreuzbund-Chat gerade zur rechten Zeit gekommen, er startete noch vor der Corona-Krise, inzwischen gibt es ihn fast täglich. In der Regel sind es drei bis fünf Teilnehmende pro Chat. Immer wieder kommen auch neue User*innen dazu, darunter Abhängige aller Suchtformen. Damit sich mehr Gruppen-Mitglieder am Chat beteiligen, sollte in den DV und besonders bei den Gruppenleitungen dafür geworben werden.

Stopp für Mitgliedsausweise

Der DV Rottenburg-Stuttgart hatte 2012 den Druck der Mitgliedsausweise initiiert. Seitdem haben sich die Bedingungen allerdings geändert. Der Druck ist aus finanziellen Gründen nur bei einer Mindestanzahl von 500 Stück sinnvoll. Für das 2. Halbjahr 2020 liegen aktuell aber nur 153 Bestellungen vor. Außerdem hat sich die Hoffnung, durch den Ausweis Preisnachlässe bei Firmen oder im Einzelhandel zu erhalten, nicht bestätigt. Vergünstigungen beim Eintritt in Museen und Bäder sind eher mit der Ehrenamtskarte möglich.

Vor diesem Hintergrund waren sich die Teilnehmenden der Bundeskonferenz einig, dass die Ausweise nicht mehr gebraucht werden. Sie votierten einstimmig für deren Abschaffung. Auch die ausstehenden 153 Ausweise werden nicht mehr gedruckt. Bei Gelegenheit soll über mögliche Alternativen nachgedacht werden.

Ehrungen und Auszeichnungen

Außerdem hat sich die Bundeskonferenz mit der künftigen Regelung bei den Ehrungen langjähriger Mitglieder beschäftigt und folgendes beschlossen: Der Rhythmus der Ehrungen durch den Bundesverband wird auf 5, 15 und 25 Jahre festgelegt. Bisher war erst nach 10 Jahren Mitgliedschaft eine Ehrung durch den Bundesverband vorgesehen. Die frühere Ehrung drückt Wertschätzung aus und soll die Mitglieder stärker an den Verband binden. Für mögliche weitere zwischenzeitliche Ehrungen sind die Diözesanverbände zuständig. Dieses Verfahren gilt ab Mitte 2021.

Digitale Veranstaltungsformate

Alle Teilnehmenden stimmten überein, dass Videokonferenzen die persönliche Begegnung nicht ersetzen können, aber abhängig von der Corona-Entwicklung bei bestimmten Veranstaltungen durchaus in Betracht gezogen werden sollten, z.B. bei Vorstandsitzungen, der Sitzung der Geschäftsführungen oder kleineren Besprechungen. Dabei werden Reise- und Tagungskosten gespart und auch viel Zeit. Dagegen können Gruppentreffen und Seminare, die emotionale Nähe brauchen, nicht dauerhaft digital stattfinden. Digitale Treffen können die persönliche Begegnung grundsätzlich nicht ersetzen, sie können aber gerade in der Corona-Krise eine Ergänzung und Bereicherung sein.

Die Bundesvorsitzende Andrea Stollfuß sagte in ihrem Schlusswort, sie gehe davon aus, dass sich von selbst herausstellt, für welche Treffen digitale Formate geeignet sind. Ihre Hoffnung, dass es im Jahr 2021 wieder mehr Präsenzveranstaltungen gibt, wird von allen geteilt.

Gunhild Ahmann, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit

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