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Die Entdeckung der Langsamkeit

Wanderexerzitien auf den Spuren der Heiligen Elisabeth

Vier Frauen und drei Männer aus ganz Deutschland haben sich am Freitag, 4. September 2020 im thüringischen Eisenach getroffen – dem Ausgangspunkt der diesjährigen Wanderexerzitien. Sie waren eigentlich schon im Mai geplant, mussten aber wegen der Corona-Pandemie verschoben werden.

Begleitet wurde die Gruppe von Thorsten Weßling, dem Geistlichen Beirat des Bundesverbandes, der unterwegs für anregende spirituelle Impulse sorgte, und von mir als Organisatorin. Wir haben bereits in den vergangenen Jahren bei den Wanderexerzitien auf der Bonifatiusroute und auf dem Mosel-Camino sehr gut zusammengearbeitet. Auch die Teilnehmenden waren fast alle schon ein- oder zweimal dabei und freuten sich auf ein Wiedersehen.

Noch am Freitagnachmittag haben wir den ca. 30-minütigen Aufstieg zur Wartburg in Angriff genommen, ein erster Konditionstest für alle….Wie kaum eine andere deutsche Burg ist die fast 1000 Jahre alte Wartburg mit der Geschichte Deutschlands verbunden. Bekannt wurde sie vor allem durch den Reformator Martin Luther, der hier 1521/22 das Neue Testament der Bibel ins Deutsche übersetzte. Wir konnten beim Rundgang durch die Burg auch das Luther-Zimmer besichtigen – alles in allem ein beeindruckendes Bauwerk!

Für uns war die Wartburg der Startpunkt des Elisabethpfades. Die Heilige Elisabeth, eine ungarische Königstochter (1207 – 1231), lebte seit ihrem vierten Lebensjahr dort. 1221 wurde sie mit Landgraf Ludwig IV. von Thüringen verheiratet. Schon als Landgräfin nahm sie sich nach dem Vorbild von Franz von Assisi in besonderer Weise den Hungernden und Kranken an.

Nachdem ihr Gemahl 1227 bei einem Kreuzzug ums Leben gekommen war, widmete sich Elisabeth ganz dem Dienst an Armen und Kranken. Sie verließ die Wartburg und gründete in Marburg ein Spital, dort starb sie im Jahr 1231 im Alter von nur 24 Jahren. Schon vier Jahre später wurde sie heiliggesprochen. Im Jahr 1235 folgte die Grundsteinlegung der Elisabethkirche. Sie wurde fortan zu einer Wallfahrtskirche. Und so führt noch heute der Pilgerweg von Eisennach nach Marburg...

Am Samstagmorgen ging es dann mit gepackten Rucksäcken los: Die erste Etappe des rund 190 Kilometer langen Elisabethpfades eignete sich gut zum Einlaufen, war sie doch nur 17 Kilometer lang. An den folgenden Tagen haben wir zwischen 20 und 26 Kilometer zurückgelegt – und das bei herrlichem Sonnenschein und angenehmen herbstlichen Temperaturen. Da die gesamte Strecke in sieben Tagesetappen nicht zu schaffen war, nahmen wir planmäßig am zweitletzten Tag den Bus und die Bahn, nachdem wir ca. 21 Kilometer Fußmarsch hinter uns hatten.

Die Markierung des Weges ließ mancherorts leider zu wünschen übrig, so dass bei der Routenfindung Spürsinn gefragt war. Manchmal mussten wir auch Google Maps zu Hilfe nehmen. Beim nächsten Mal werde ich auf jeden Fall einen Kompass mitnehmen. Landschaftlich wurde der Pilgerweg von Tag zu Tag schöner. Auf unserem Weg lagen außerdem viele renovierte kleine Kirchen. In einer dieser schönen Kirchen durften wir die Glocken läuten, damit die Dorfbewohner*innen wissen, dass Pilger*innen da sind. Außerdem boten die evangelischen Kirchen einen gewissen Service: Häufig konnten wir uns gegen eine Spende mit Mineralwasser versorgen - und auch Toiletten waren oft in der Nähe.

Leider hat Thorsten Weßling sich bereits am Sonntag eine Muskelzerrung zugezogen, so dass er nicht mehr wandern konnte. Er ist dann am Montag mit dem Zug nach Hause (Hörstel bei Rheine) gefahren und noch am gleichen Tag mit seinem Auto zurückgekommen, um seine Aufgabe als spiritueller Begleiter weiterhin zu erfüllen. Das hatte für uns auch einen großen praktischen Vorteil, denn Thorsten konnte in seinem Wagen einen Teil unseres Gepäcks zum nächsten Hotel transportieren - wir brauchten also nur einen Tagesrucksack. Außerdem haben einige Teilnehmer*innen hin und wieder die letzten Kilometer der Etappen mit unserem „Begleitfahrzeug´ zurückgelegt. Für diesen „Shuttle-Service“ und natürlich die interessanten spirituellen Impulse ein herzliches Dankeschön an Thorsten! Die Übernachtungsstandorte waren übrigens meistens so dörflich, dass die Frau von Hans aus dem bayerischen Ingolstadt sie nicht auf der Landkarte finden konnte.

Zum Abschluss der Wanderexerzitien feierten wir am Samstag, 12. September 2020 einen gemeinsamen Gottesdienst. In der anschließenden Führung durch die Elisabethkirche erfuhren wir noch viele interessante Details über die erste rein gotische Kirche in Deutschland. Dann traten alle die Heimfahrt an und freuen sich jetzt schon auf die nächsten Wanderexerzitien.

Gunhild Ahmann, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit

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