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Freundschaft, Humor und Respekt

Multiplikatoren beschäftigen sich mit Herausforderungen der Partnerschaft

Unter der Leitung von Elisabeth Keller und Marianne Holthaus haben sich Beauftragte des Arbeitsbereichs „Familie als System“ aus 14 Diözesen vom 21. bis 23. Oktober 2022 in Ludwigshafen mit dem Thema „Von der Herausforderung ein Paar zu sein und zu bleiben …“ auseinandergesetzt. Und das aus gutem Grund: Niemals in der Geschichte der Menschheit lebten so viele Menschen mit demselben Partner so lange zusammen wie heute. Und obwohl der Ruf der Ehe ins Gerede gekommen ist – immerhin wird jede dritte Ehe geschieden – wird sie immer noch von den meisten Menschen ersehnt bzw. angestrebt.

Das Leben ist bunt und herausfordernd für jeden Einzelnen und für Menschen, die mit Partner/in durchs Leben gehen. Besonders Übergangs- und Entwicklungszeiten können als krisenhaft erlebt werden. Der Psychotherapeut und Autor Arnold Retzer formuliert einige Thesen, wie ein Paar es schaffen kann, trotz allem beieinander zu bleiben:

  • Dauerhafte Beziehungen haben dauerhafte Probleme und Konflikte. Diese würden meistens nicht gelöst. Diese Einsicht erfordere von beiden Partnern eine „resignative Reife“. Die Art des Umgangs mit den Problemen sei jedoch entscheidend: Humor, Ablenkung, Zuneigung und Respekt voreinander seien wesentlich.
  • Paare leben mit mancher Ungerechtigkeit und Ungleichheit. Dennoch bleiben viele beieinander. Dies könne gelingen, wenn man einander („unter zwei Augen“!) vergibt, sich an das Gute erinnert und das Schlechte vergisst.
  • Es sei sehr hilfreich, an die positive Kraft der Illusion zu glauben und eine „geschönte Wahrnehmung“ vom Partner zu pflegen.
  • „Glück“ solle man nicht zur Zielgröße einer Beziehung machen. Diese Erwartung sei nicht einzulösen und überfordere jeden.
  • Einander Freunde sein – im Sinne teilhabender und teilnehmender Praxis – nicht zuletzt auch im gewöhnlichen Alltag.

Die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren haben diese und weitere zum Teil durchaus provokativ anmutende Thesen Retzers vor dem Hintergrund der Dynamik suchtbelasteter Beziehungen erörtert. Schließlich haben sie sich darüber ausgetauscht, wie die Sucht-Selbsthilfe zum Gelingen einer guten Beziehung beitragen kann.

Im weiteren Teil der Tagung wurde die große Bedeutung von Angehörigenarbeit in der Sucht-Selbsthilfe herausgehoben. Angehörige dürfen sich in der Selbsthilfe gut aufgehoben fühlen – mit oder ohne den/die suchtkranke/n Partner/in und unabhängig davon, ob diese/e, die akute Suchterkrankung überwunden hat oder nicht. Gemeinsam mit anderen können Angehörige lernen, einen Umgang mit den Folgen der suchtbedingten persönlichen bzw. familiären Belastungen zu finden, sich selbst (wieder) in den Mittelpunkt des Lebens zu rücken und (wieder) zur persönlichen Stärke zu finden. Auf genau diese Weise mag es auch gelingen, den/die vielleicht noch suchmittelkonsumierende/n Partner/in zu erreichen. Dies haben nicht zuletzt die beeindruckenden Erfahrungen der Multiplikatorinnen und Multiplikatoren auf der Tagung gezeigt.

Marianne Holthaus, Suchtreferentin des Kreuzbund-Bundesverbandes

Literatur: Retzer, Arnold: Die Herausforderung: Ein Paar bleiben. Psychologie heute. Compact; http://www.arnretzer.de/downloads/Compact_46_Die%20Herausforderung_Ein%20Paar%20bleiben.pdf

 

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