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Endlich wieder im "leibhaftigen" Austausch

Erstes Präsenz-Seminar des Bundesverbandes in 2021 in Erfurt

Ursprünglich war das Seminar „Die Kunst der Rede – Menschen verstehen und überzeugen“ im Februar 2021 geplant, wegen der Corona-Pandemie wurde es auf den 23. bis 25. Juli 2021 verschoben. Die elf Teilnehmenden und zwei Referenten haben sich sehr darüber gefreut und es genossen, sich im Bildungshaus St. Ursula in Erfurt nach der langen Zeit der Kontaktbeschränkungen wieder von Angesicht zu Angesicht treffen zu können. Es handelte sich um das erste Präsenz-Seminar des Kreuzbund-Bundesverbandes in diesem Jahr, geleitet von Gunhild Ahmann (Bundesgeschäftsstelle) und Paul-Michael Leißner (DV Berlin).

In der Kennenlernrunde am Freitagabend stellten sich jeweils zwei Teilnehmende gegenseitig vor. Dabei wurden einige Gemeinsamkeiten entdeckt, die über die Suchterkrankung und den Kreuzbund hinausgehen: Zwei Teilnehmer berichteten z.B. von ihrer Leidenschaft für den Tauchsport. Der Abend endete mit Stegreifreden, d.h. alle Teilnehmenden zogen einen Zettel mit einem Begriff und erzählten dazu spontan etwas, z.B. Theater, Literatur, Haus und Garten, Partnerschaft u.Ä. Schon jetzt zeigte sich, wie unterschiedlich mitteilungsbedürftig und gesprächsfreudig die Menschen sind. Einige beließen es bei wenigen Sätzen, anderen fiel sofort eine ganze Geschichte ein…

Am Samstagmorgen nach dem Frühstück fingen wir zum Wachwerden mit einer kleinen Quizrunde an, nach dem Vorbild der früheren ZDF-Spielshow „Dalli-Dalli“ mit Hans Rosenthal. Mehrere Zweier-Teams mussten in einer Minute möglichst viele Städte, Länder, Flüsse, Blumen, Berufe oder Tiere nennen.

Anschließend stellte Gunhild Ahmann die Fünf-Satz-Strukturierungshilfe für Rede- und Gesprächsbeiträge vor. Der erste Satz beschreibt die Situation, dann folgen drei voneinander unterscheidbare Argumente und schließlich der Zielsatz mit dem Wunsch bzw. Lösungsvorschlag. Die Teilnehmenden übten das anhand eines Themas ihrer Wahl.

Was macht eine gute Rede aus? Sie weckt das Interesse der Zuhörenden, ist verständlich, anschaulich und überzeugend und bleibt noch lange im Gedächtnis. In der Einleitung sollte der Redner versuchen, die Aufmerksamkeit des Publikums und sein Wohlwollen zu gewinnen. Es folgt die Beweisführung, d.h. der Redner argumentiert für seine Sache und entkräftet gegnerische Argumente. Zum Schluss appelliert er an die Emotionen des Publikums, z.B. mit einer konkreten Aufforderung.

Nach der Sammlung dieser Kriterien war es Aufgabe der Teilnehmenden, zu einem Thema ihrer Wahl eine fünfminütige Überzeugungsrede zu erarbeiten und vorzutragen. Die Themen reichten von Tempo 130 auf der Autobahn, der Wiedereinführung der Wehrpflicht, der Corona-Schutzimpfung bis zum Urlaub im Wohnmobil oder im Hotel. Alle Vortragenden bekamen eine Rückmeldung, dabei wurden nicht nur verbale Aspekte und der logische Aufbau berücksichtigt, sondern auch Gestik, Mimik und Blickkontakt.

Am Samstagabend hatte die Seminarleitung einen Stadtrundgang durch Erfurt organisiert. Die kompetente Stadtführerin, eine gebürtige Erfurterin, zeigte uns sehenswerte historische Bauten abseits der üblichen Touristenströme, z.B. das Augustinerkloster, in dem Martin Luther von 1505 bis 1511 als Mönch gelebt hat. Das Gebäude geht auf das Jahr 1277 zurück, ab dem Jahr 2000 wurde es umfassend restauriert und wird heute als Tagungs- und Begegnungszentrum genutzt. Die thüringische Landeshauptstadt mit rund 214.000 Einwohnern ist immer eine Reise wert, besonders im Sommer. Glücklicherweise blieben die vorhergesagten lokalen Gewitter aus.

Am Sonntagmorgen ging es um Schlagfertigkeit. Wir sammelten Strategien, wie wir auf Zwischenrufe, "Killerphrasen" und Beleidigungen reagieren können. Manchmal sollten wir den Angriff ignorieren und ins Leere laufen lassen, in anderen Fällen können wir nachfragen, wie der Einwurf gemeint ist. Unsachliche Vorwürfe dürfen auch so benannt und zurückgewiesen werden. Dabei können wir den Angreifer auch nach seinen Beweggründen fragen. Bei der anschließenden Übung zur Schlagfertigkeit zeigte sich, dass die Teilnehmenden sehr gut in der Lage sind, sich souverän zu behaupten und Grenzen zu setzen. Die spontanen „Retourkutschen“ waren sehr treffend und sorgten häufig für Gelächter.

In der Abschlussrunde lobten alle Teilnehmenden das lebendige und abwechslungsreiche Seminar und bedankten sich für die guten Tipps. Hoffentlich können auch die weiteren Präsenz-Veranstaltungen in diesem und im kommenden Jahr wie geplant stattfinden!

Gunhild Ahmann, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit

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