Aktuelles vom Kreuzbund

"Wenn Selbsthilfe Kreise zieht - sichtbar, vernetzt und wirksam"

Kooperationsmöglichkeiten des Kreuzbundes

Mit diesem Thema haben sich die rund 80 Teilnehmenden der Herbst-Arbeitstagung vom 17. bis 19. Oktober 2025 in Siegburg beschäftigt. Im Mittelpunkt standen verschiedene Kooperationspartner des Kreuzbundes und konkrete Möglichkeiten der Zusammenarbeit.

Nach einer kurzen Einführung in das Tagungsthema am Freitagabend folgten am Samstagvormittag Vorträge von Expert*innen aus verschiedenen Bereichen. Zunächst stellten Andreas Lemke und Georg Kepkowski das „Selbsthilfefreundliche Krankenhaus“ vor. Lemke ist Selbsthilfebeauftragter der Sana Kliniken in Duisburg, Kepkowski leitet die Kreuzbund-Gruppe Duisburg-Rheinhausen. Die psychiatrische Klinik ist seit Mai 2025 als selbsthilfefreundliches Krankenhaus zertifiziert, als erstes und einziges Krankenhaus in Duisburg. Dafür müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Die Kreuzbund-Gruppe Duisburg-Rheinhausen ist angebunden an die Klinik und trifft sich dort, sie behält aber ihre Unabhängigkeit und Eigenständigkeit. Beide Seiten profitieren von den kurzen Wegen zwischen Klinik und Selbsthilfegruppe.

Um die betriebliche Suchthilfe ging es im nächsten Vortrag von Marion Santl, Diözesancaritasverband Regensburg, und Eugene O´Neill, Kreuzbund Regensburg.  Der DiCV Regensburg bietet für Unternehmen eine kostenpflichtige Ausbildung zum Thema Sucht an und arbeitet dabei z.B. mit BMW, Amazon, Hermes und der bayerischen Staatsoper zusammen. Die Führungskräfte sollen eine andere Haltung entwickeln, es geht um die Enttabuisierung und Entstigmatisierung von Suchterkrankungen. Die frühzeitige Hilfe für suchtkranke Mitarbeitende liegt auch im Interesse der Betriebe, weil es dadurch zu weniger Krankschreibungen und weniger Arbeitsunfällen kommt. In die Ausbildung ist Eugene O`Neill einbezogen, er schildert dort seine Suchtgeschichte.

Anschließend berichtete Dr. Daniel Grauert von der Kreuzbund-Gruppe für suchtkranke Führungskräfte in Düsseldorf. Die Gruppe hat inzwischen rund 30 feste Mitglieder und wird voraussichtlich zum Jahreswechsel geteilt. Herr Grauert leitet in fünfter Generation ein Unternehmen mit über 1000 Beschäftigten. Die Außenwirkung und Reputation sei für Unternehmer besonders wichtig, das Schamgefühl aufgrund der Suchtkrankheit besonders ausgeprägt. Der vertrauliche Rahmen in der Gruppe sei deswegen entscheidend. Die Gruppe biete einen geschützten Rahmen für alle, die sich über ihre Möglichkeiten und ihren weiteren Weg klar werden wollen, sich aber nicht in die Öffentlichkeit trauen.

Im Anschluss stellte sich die Initiative „Schalke Null Bier“ vor. Heike Neuhaus, Stephan Pöhling und Tobias Wrobel erläuterten, dass die Initiative im Januar 2025 gegründet wurde. Sie will Raum schaffen für Menschen, die abstinent Fußball schauen möchten, und ein Gemeinschaftserleben ohne Alkohol ermöglichen. Vorbild sind die weiß-braunen Kaffeetrinker*innen von St. Pauli in Hamburg. „Schalke Null Bier“ ist Teil des Fanclubs Anno 1904 e.V. Die Initiative besteht zurzeit aus einem festen Kern von fünf bis zehn Personen. Sie treffen sich bei Auswärtsspielen in der Fankneipe, in der Veltins-Arena ist sie noch nicht sichtbar. Bisher gibt es auch noch keine Unterstützung des Vereins.

Als letztes Kooperationsbeispiel ging es um das Modellprojekt „BEA – Beraten, Ermutigen und Assistieren“, dargestellt von Dr. Klara Lammers, Hochschule Bielefeld, und der Peer-Begleiterin Brigitte Haas. Das Projekt wurde vom Bundesarbeitsministerium angeregt und hatte eine Laufzeit von fünf Jahren. Ziel war nicht vorrangig die Vermittlung von ALG-II-Empfänger*innen in Arbeit, sondern ihre Vermittlung in Selbsthilfegruppen, z.B. bei Suchterkrankungen oder psychischen Erkrankungen. Es ging um die wechselseitige Ergänzung von Hilfeangeboten. Auch haben die Prozessmanager*innen in den Jobcentern eine empathischere Haltung gegenüber ihren Klient*innen entwickelt. Insgesamt haben 600 Personen teilgenommen, 60 Peers begleiteten sie, die meisten aus der Selbsthilfe.

Am Samstagnachmittag beleuchteten die Teilnehmenden die verschiedenen Themenbereiche in Kleingruppen, insbesondere die Anforderungen und Herausforderungen der jeweiligen Kooperationen. Ein weiterer zusätzlicher Workshop beschäftigte sich mit der Frage, wie die Zusammenarbeit mit hausärztlichen Praxen verbessert werden kann, einer zentralen Schnittstelle. Studien zeigen: 70 bis 80 Prozent der erwachsenen Bevölkerung gehen mindestens einmal im Jahr zum Hausarzt.

Am Sonntagmorgen wurden nächste Schritte für die Umsetzung der Kooperationsprojekte ins Auge gefasst. Die Bundesvorsitzende Andrea Stollfuß appellierte, das Thema auf allen Ebenen des Verbandes anzupacken und es möglichst breit zu platzieren. Den Kreuzbund nach vorn bringen, funktioniere nur im Team. Die Ehrenamtlichen sollten sich das Thema herausgreifen, das für sie am interessantesten und umsetzbar ist.

Gunhild Ahmann, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit

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