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Angehörige von Suchtkranken stärken

Abgeschlossene Seminarreihe im DV Paderborn

Vom 19. März bis zum 2. Juli 2022 haben im Kreuzbund-Diözesanverband Paderborn zehn angehörige Frauen von suchtkranken Partnern bzw. Familienmitgliedern in Dortmund ganztägig an fünf Terminen zusammengefunden. Im Rahmen dieser Seminarreihe tauschten sich über die Sucht und ihre Bedeutung für das eigene Leben aus. Im Mittelpunkt der Seminartage standen die Angehörigen selbst, ihr Wohlbefinden und ihre Möglichkeiten, einen Umgang mit der familiären Suchtbelastung zu finden. Die Leitung im Diözesanverband Dortmund oblag Elisabeth Keller, ehrenamtliche Arbeitsbereichsleiterin „Familie als System“ auf Bundes- und Diözesanebene, und der Referentin Marianne Holthaus (Bundesgeschäftsstelle Hamm).

Die Frauen waren zwischen 30 und 75 Jahre alt.  Einige sind in jüngerer Zeit mit den Kreuzbund-Selbsthilfegruppen in Kontakt gewesen, andere haben über die Suchtberatungsstelle Dortmund zur Seminarreihe gefunden. Die meisten Frauen hatten – mehr oder weniger – suchtmittelkonsumierende Partner in ihrem häuslichen Umfeld. Viele waren noch nicht so vertraut damit, sich innerhalb einer Gruppe auszutauschen. Deshalb gab es neben der Vermittlung angehörigenspezifischer Inhalte viel Raum, sich – einer Selbsthilfegruppe gleich – zu entlasten: durch Reden, Zuhören, wechselseitige Solidarität und Ermutigung. Hier finden Sie einige Aussagen der Teilnehmerinnen:

  • Besonders hilfreich fand ich, dass die Alkoholkrankheit meines Mannes nicht mein ganzes Leben bestimmen muss und vor allem, dass ich nicht verantwortlich für dieses Dilemma bin. Angehörige sollten lernen, mehr an sich zu denken.
  • Es gab direkt eine Entlastung, weil die einzelnen Geschichten zeigten: „Ich bin nicht allein“.
  • Es ist eine Krankheit, aber nicht meine Aufgabe. Ich kann dadurch besser loslassen und lerne mich wieder auf mich zu besinnen. Der offene Austausch und die Aufklärung haben mir sehr geholfen zu verstehen, mich besser kennenzulernen und mein Verhalten zu hinterfragen bzw. zu ändern.
  • Mir wurde die Thematik „Hilfe für Angehörige alkoholkranker Menschen“ erst jetzt richtig klar. Ich bin jedes Mal bereichert, getröstet und zuversichtlich nach den Seminartagen nach Hause gegangen.
  • Ich brauche mich nicht mehr von den schlechten Erfahrungen und Enttäuschungen lähmen lassen, sondern kann ohne schlechtes Gewissen ein mir gemäßes Leben führen.
  • Die Referentin konnte Verhaltensweisen sehr gut erklären und dadurch Hilfen für schwierige Gespräche und Situationen geben sowie dazu anregen, andere Wege zu versuchen und sich dabei nicht zu überfordern.
  • Das Zusammenspiel von Theorie und Praxis hat geholfen. Es gab immer eine gute Kleingruppenarbeit, bei der auch Zeit für Akutes war. Die Teilnehmerinnen konnten offen und ehrlich miteinander reden. Es wurde immer Rücksicht auf die momentane Befindlichkeit genommen.
  • Die „Fünf-Säulen der Identität“ werde ich bestimmt immer wieder ansehen, damit ich weiter an mir arbeiten kann.
  • Ich habe gelernt, wie ich viel besser mit ihm kommunizieren kann und wie ich mich im Fall der Fälle besser verhalte und auf mich achte.
  • Ich habe viele neue Erkenntnisse gewonnen und mir sind auch viele neue Möglichkeiten eröffnet worden, mit meinem Mann, seiner Alkoholkrankheit und vor allem „mit mir umzugehen“
  • Unsere beiden Referentinnen Marianne und Elisabeth haben es verstanden, mit fachlicher Kompetenz und Einfühlungsvermögen eine echte Wohlfühlatmosphäre zu schaffen und für uns Betroffene einen Raum der Sicherheit und Geborgenheit zu schaffen.
  • Ich wünsche mir, dass diese Thematik für Angehörige mindestens so viel Raum bekommt wie eine Suchterkrankung heute schon hat.
  • Über den Zeitraum von fast fünf Monaten konnte ich die Entwicklung bei den Einzelnen wahrnehmen. Es war gut, dass es immer „sacken“ konnte, bis das nächste Treffen war.
  • Die Freude des Wiedersehens war immer sehr groß.

Wir danken den angehörigen Frauen, die uns mit ihrem Mut und ihrer Offenheit berührt und inspiriert haben. Unsere gemeinsame Arbeit zeigt, wie wertvoll die gezielte Arbeit mit Angehörigen innerhalb der Sucht-Selbsthilfe und der Suchthilfe ist – für die Angehörigen und letztlich auch für die suchtkranken Familienmitglieder, die durch die Auseinandersetzung der Angehörigen ebenfalls angeregt werden, etwas zu verändern.

Auch im Diözesanverband Köln ist das Projekt „Angehörige von Suchtkranken stärken“ inzwischen einmal durchgeführt worden, begleitet von zwei Mitarbeiterinnen aus der Suchtberatungsstelle in Euskirchen und dem DV-Beauftragten „Familie als System“ Willi Denkert.

Näheres zum Konzept „Angehörige von Suchtkranken stärken“ finden Sie unter: https://www.kreuzbund.de/de/nachricht-anzeigen/angehoerige-von-suchtkranken-staerken.html

Für weitere Informationen bzw. Fragen wenden Sie sich gerne an Marianne Holthaus in der Kreuzbund-Bundesgeschäftsstelle in Hamm

Elisabeth Keller und Marianne Holthaus

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