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"Sucht-Selbsthilfe in aller Munde"

Öffentlichkeitsarbeit für die Zukunft des Kreuzbundes

Mut zur Öffentlichkeitsarbeit
Mut zur Öffentlichkeitsarbeit

"Mut zur Öffentlichkeitsarbeit" - unter diesem Titel haben sich vom 20. bis 22. März 2015 über 20 Kreuzbund-Mitglieder und Funktionsträger/-innen zum Bundesseminar im Exerzititen- und Bildungshaus der Pallottinnerinnen in Limburg getroffen. Paul-Michael Leißner, Leiter des Arbeitsbereichs „Öffentlichkeitsarbeit“, und ich hatten das Ziel, den Teilnehmer/-innen vor allem klarzumachen, dass Öffentlichkeitsarbeit nicht nur die klassische Werbung mit Plakaten in der Fußgängerzone und Werbespots im Fernsehen umfasst, sondern zuallererst das persönliche Gespräch. Jedes Gruppenmitglied kann in seinem persönlichen Umfeld die erfolgreiche Gruppenarbeit des Kreuzbundes anhand seines eigenen Schicksals bekannt machen. Das setzt voraus, zum Kreuzbund und zu der eigenen Suchtgeschichte zu stehen.

Um Unterstützung für unseren Verband zu gewinnen und Menschen zu überzeugen, sammelten wir Argumente für den Kreuzbund und die Sucht-Selbsthilfe. So bleiben 70 bis 75 Prozent der regelmäßigen Gruppenbesucher/-innen dauerhaft abstinent, geht aus einer verbandsübergreifenden Statistik hervor. Die „Erzählgemeinschaft“ in der Gruppe hilft suchtkranken Menschen, ihren Alltag ohne Suchtmittel zu bewältigen und ihr Leben mit Genuss, Spaß und Freude zu leben. Angehörige können in der Gruppe ihre Nöte und Sorgen besprechen und Entlastung und Unterstützung für sich selbst erfahren. Damit leistet der Kreuzbund einen unverzichtbaren Beitrag zur Krankheitsprävention und zur Gesundheitsförderung.

„Arbeit mit der Öffentlichkeit, Arbeit für die Öffentlichkeit, Arbeit in der Öffentlichkeit, um Verständnis, Vertrauen und Akzeptanz aufzubauen und zu pflegen sowie ein positives Image zu fördern“. So definierte Prof. Albert Öckl 1949 als Pressechef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages den Begriff Öffentlichkeitsarbeit als deutsches Synonym für Public Relations. Grundsätzliches Ziel ist es, Förderer und Mitglieder zu gewinnen und den Fortbestand der Organisation zu sichern. So gesehen ist Öffentlichkeitsarbeit die Zukunft des Kreuzbundes, wie es ein Seminarteilnehmer sehr treffend auf den Punkt brachte. Öffentlichkeitsarbeit benötigt personelle und finanzielle Ressourcen, sie ist kein Tagesgeschäft, sondern setzt Kontinuität und einen langen Atem voraus, denn die Erfolge stellen sich nicht unmittelbar ein.

Wie umfassend Öffentlichkeitsarbeit ist, zeigte eine Sammlung der verschiedenen Bereiche, und zwar

  • Medien- und Pressearbeit
  • Interne Kommunikation (zur Motivation und Identifikation der Mitglieder)
  • Verbands- und Mitgliederzeitschriften
  • Internet und soziale Netzwerke
  • Klinikarbeit
  • Außendarstellung in Informationsmaterialien
  • Veranstaltungen
  • Kooperationen und Netzwerkpflege
  • Werbung und Werbegeschenke
  • Lobbyarbeit / Interessenvertretung
  • Spendenwerbung / Fundraising (Öffentlichkeitsarbeit ist die Basis für jede Form der Mittelbeschaffung.)

Die Zielgruppen der Öffentlichkeitsarbeit reichen von suchtkranken und suchtgefährdeten Menschen und ihren Angehörigen bis zu Akteuren des politischen Systems (Politiker, Behörden, Verwaltungen), die als potenzielle Förderer in Frage kommen. Um unsere Botschaft zu transportieren, brauchen wir außerdem Journalisten und Medien auf lokaler, regionaler und überregionaler Ebene.

Im weiteren Seminarverlauf beschränkten wir uns auf das Thema Kommunikation. Die Teilnehmer/-innen hielten Stehgreifreden zu zufällig ausgewählten Begriffen, trugen fünf- bis zehnminütige Reden zu einem Thema ihrer Wahl vor, errieten Sprichwörter, machten Sprechübungen u.Ä. Bemerkenswert sind dabei folgende Zahlen:

  • 54 Prozent der Wirkung beruht auf dem Auftreten, also auf Erscheinungsbild, Kleidung, Verhalten, Sprache
  • 37 Prozent der Wirkung entscheidet sich über die Stimme
  • Nur 9 Prozent der Wirkung entscheidet sich über den Inhalt

Ein negatives Erlebnis mit einer Person bleibt anderthalb Jahre im Gedächtnis und wird rund 25 weiteren Personen erzählt. Positive Erfahrungen und Begegnungen bleiben aber nur drei bis vier Monate im Gedächtnis und werden nur sechs Personen berichtet. Das Positive findet schneller den Weg in die Selbstverständlichkeit und wird in der Folge nicht mehr wahrgenommen.

Neben vielen Informationen und praktischen Übungen erfuhren wir auch Vieles über die Stadt Limburg, und zwar auf der Nachtwächterführung am Samstagabend. So hat der Skandal um den Prachtbau des ehemaligen Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van-Elst der Stadt rund 30 Prozent mehr Touristen gebracht. Wie heißt es doch so schön? „Des einen Freud, des anderen Leid“.

Dass es gerade für die Öffentlichkeitsarbeit nützlich ist, einige Zahlen und Fakten zum Kreuzbund und zu den Themen Sucht und Sucht(selbst)hilfe zu kennen, zeigte am Sonntagmorgen zum Abschluss das Quiz „Wer wird Kreuzbund-Champion?“ Die Sieger, Hans Aretz und Karl-Heinz Trompetter aus dem DV Köln, erhielten als Anerkennung eine Schachtel Pralinen – selbstverständlich ohne Alkohol!


Gunhild Ahmann, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit

 

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