Aktuelles vom Kreuzbund
Treffen der Multiplikator*innen des Arbeitsbereichs "Familie als System"
Themenschwerpunkt: "Vertrauen wagen..."
Vom 12. bis 14. September 2025 haben sich 15 Multiplikator*innen aus 12 Diözesen bei ihrer jährlichen Arbeitstagung in Stuttgart getroffen. Unter der Leitung von Ruth Heuermann (in Vertretung) und Marianne Holthaus stand das Wochenende ganz im Zeichen von Austausch, Selbstreflexion und praxisnahen Impulsen für die Arbeit vor Ort.
Schon am Freitagabend wurde spürbar: Die Teilnehmenden bringen eine große Vielfalt an Erfahrungen mit. In offenen Runden berichteten sie von gelungenen Projekten – etwa einem Kinoabend mit anschließender Gesprächsrunde, einer neu gegründeten Angehörigengruppe oder einem geplanten Theaterprojekt. Immer wieder zeigte sich, dass Angehörigenangebote zunehmend Zuspruch finden. Zugleich wurden die Herausforderungen benannt: Mit welchen Haltungen und in welchen Gruppenformaten können Angehörige am besten begleitet werden? Was braucht es, damit sie sich wohl fühlen? Anhand regionaler Beispiele wurde deutlich: Die Vielfalt der Ansätze stärkt den Kreuzbund und eröffnet neue Zugänge für Betroffene und Angehörige.
Am Samstag wurde das Schwerpunktthema der Tagung bearbeitet: Vertrauen … Welche Rolle spielt es in suchtbelasteten emotional nahen Beziehungen auf dem Weg der Genesung bzw. Heilung? Diese Frage berührt suchtbelastete Mütter und Väter zu ihren Kindern, suchtbelastete Söhne und Töchter zu ihren Eltern und last not least suchtbelastete Partnerschaften. Die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren waren sich einig, dass
- eine Portion Misstrauen, Grenzen wahrnehmen und ein Kontrollbedürfnis als Selbstschutz berechtigt sein können;
- ein gestärktes bzw. zurückgewonnenes Selbstvertrauen eine wichtige Grundlage für vertrauensvolle nahe Beziehungen ist und dass …
- … nichts geht, weder in nahen Beziehungen noch in unseren Gruppen oder in unseren gesellschaftlichen Kontexten, wenn wir uns nicht immer wieder – trotz Krisenzeiten – aktiv dafür entscheiden zu vertrauen. Wir können unser Leben nur meistern, wenn wir uns auf andere verlassen.
Vertrauenselemente wie Aufrichtigkeit, Verlässlichkeit, Transparenz, Fürsorge, Respekt, Beteiligung und Verantwortlichkeit sind schließlich auch entscheidend für gelingende Gruppen- und Verbandsarbeit nach innen und nach außen. Besonders in gesellschaftlichen Zeiten, in denen menschenfreundliche und demokratische Werte nicht mehr selbstverständlich sind, ist es wichtig für diese Vertrauenselemente sowie für Offenheit und Vielfalt einzustehen, besonders in der Rolle als Verbandsvertreter*in.
Vertrauen ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Geschenk, das Pflege braucht – in Familien, in Partnerschaften, in der Eltern-Kind-Beziehungen und auch im Kreuzbund selbst. Indem wir Vertrauen wagen, schaffen wir Räume, in denen Heilung, Wachstum und Hoffnung möglich werden.
Viele Teilnehmende haben erstmals an einer Multiplikatoren-Tagung teilgenommen und waren sehr zufrieden mit dem Tagungsverlauf. Ein Rückblick auf die Arbeitsweise und Themenschwerpunkte der Multiplikatoren-Tagung der vergangenen Jahre am Sonntagvormittag war hilfreich, sich mit Blick auf die eigene Rolle als Beauftragte*r dieses Arbeitsbereiches zu orientieren und einzuarbeiten.
Marianne Holthaus