Nachricht anzeigen

Zweiter bundesweiter Kreuzbund-Kongress

Berufliche Suchthilfe und Sucht-Selbsthilfe gehören zusammen

Die berufliche Suchthilfe und die Sucht-Selbsthilfe sollten ihre Zusammenarbeit weiter verstärken, damit mehr suchtbetroffene Menschen den Weg in das Hilfesystem finden. So lautete das Fazit des zweiten bundesweiten Kreuzbund-Kongresses am 11. / 12. Juni 2016 in Hamm mit dem Titel „Selbsthilfe ist Zukunft – für mich, für uns, für alle.“ Die Organisation des Helfens brauche einen „Bürger-Profi-Mix“, denn die Selbsthilfe stehe der beruflichen Suchthilfe in ihrer Wirksamkeit in nichts nach, erläuterte der Hauptredner des Kongresses, Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner (82, s. Foto), ehemaliger Ärztlicher Leiter der Westfälischen Klinik für Psychiatrie in Gütersloh. „Die Profi-Helfer haben das technische und medizinische Wissen, die ehrenamtlichen Helfer/-innen schenken Zeit, Zuwendung und Begleitung, und zwar auf Augenhöhe von Betroffenen zu Betroffenen. Selbsthilfe ist also Lebenshilfe.“

Die Hilfe zur Selbsthilfe im Kreuzbund ist in der Tat sehr erfolgreich: Fast drei Viertel der Suchtkranken, die regelmäßig eine Kreuzbund-Gruppe besuchen, leben mindestens über drei Jahre abstinent. Weniger als 20 Prozent der Gruppenteilnehmer/-innen werden innerhalb eines Jahres rückfällig. Mehr als zwei Drittel dieser Rückfälle können innerhalb der Selbsthilfegruppe aufgefangen werden.

Dem tragen inzwischen auch das Bundesgesundheitsministerium, die Deutsche Rentenversicherung und die gesetzlichen Kranken-kassen Rechnung: Im Jahr 2014 gaben sie für die Selbsthilfe-förderung über 48 Millionen Euro aus. (vgl. www.nakos.de, Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppe)

Zur Überwindung von Abhängigkeitserkrankungen gibt es in Deutschland neben den rund 8.000 Sucht-Selbsthilfegruppen ein differenziertes, wirksames, leistungsfähiges und vernetztes Angebot der Hilfen, z.B. mehr als 1.200 Suchtberatungsstellen und 12.000 Therapieplätze. Allerdings erreicht das Hilfesystem nur ca. acht bis zehn Prozent der Suchtkranken.

Insgesamt erleben wir seit den 1980-er Jahren einen Boom der Selbsthilfe, die Selbsthilfelandschaft ist sehr differenziert und vielfältig. Die Zahl der Selbsthilfegruppen wird auf 70.000 bis 100.000 geschätzt. Für fast jede chronische Krankheit, Behinderung oder soziale Notlage finden sich Betroffene zu einem Erfahrungsaustausch und zur gegenseitigen Unterstützung zusammen.

Unter den 450 Teilnehmer/-innen des Kongresses waren auch mehrere Ehrengäste aus Schweden. Der Länkarnas Riksförbund aus Stockholm arbeitet seit vielen Jahren nach dem Vorbild des Kreuzbundes. Die Schirmherrschaft der Veranstaltung hatte Thomas Hunsteger-Petermann, Oberbürgermeister der Stadt Hamm, übernommen.

Zu den weiteren Ehrengästen der Veranstaltung zählte Renate Walter-Hamann vom Deutschen Caritasverband in Freiburg. Auch sie betonte, dass die Suchthilfe nur durch die Kooperation von beruflicher Suchthilfe und Sucht-Selbsthilfe verstanden, gelebt und weiterentwickelt werden könne. Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki zelebrierte am Sonntagmorgen die Heilige Messe. In seinem Grußwort bestärkte er die Kreuzbund-Mitglieder in ihrer Arbeit und bezeichnete die heilsame Kraft einer ehrlichen Gemeinschaft als vorbildlich.

Gunhild Ahmann, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit

 

Zurück